Copyright aufs Überleben: Wie Monopole die Ernährungsgrundlage gefährden

Unternehmen wie Monsanto dominieren die weltweite Lebensmittel-Erzeugung. Doch so entstehen gefährliche Monopole. Darauf zu vertrauen, dass die großen Agrarkonzerne unsere Ernährung sichern, wäre naiv. Es ist die Gesellschaft, die diese wichtige Lebensgrundlage und damit auch die Industrie kontrollieren muss – und nicht umgekehrt.

 

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Monokulturen versus ökologische Vielfalt: In der Landwirtschaft tobt ein Streit über die künftige Ausrichtung. Foto: countrypixel – Fotolia

Wer die Nahrungsmittelkette kontrolliert, kontrolliert die Menschen. Diese Aussage, die dem früheren amerikanische Außenminister Henry Kissinger zugeschrieben wird, liegt mehr als 40 Jahre zurück, doch sie hat heute mehr Brisanz denn je. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Menschen von derzeit sieben auf zehn Milliarden ansteigen, so die Prognose der Vereinten Nationen. Sie zu ernähren gehört zu den großen Herausforderungen der Menschheit. Es geht um die wichtige Frage: Wie muss sie aussehen, die Landwirtschaft von morgen, die so viele Menschen ernähren kann?

Der Kampf um Felder und Äcker ist bereits in vollem Gange. Das zeigen die hitzigen Debatte über die geplante Fusion der Agrarkonzerne Bayer und Monsanto und der Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat. Beides sind Symbole für eine industriell ausgerichtete Agrarwirtschaft, die auf Massenproduktion, Effizienz und Gewinnmaximierung setzt, dabei aber Umwelt und Menschen schadet und die Artenvielfalt dezimiert. Auf der anderen Seite stehen jene, die für eine kleinteiligere, ökologische Produktionsweise plädieren, die Wasser und Böden schont und von der eine Vielzahl von Erzeugern aber auch Kleinbauern leben können.

Wie die Landwirtschaft aussieht, darf nicht die Agrarindustrie bestimmen

Was die Welt ganz sicher nicht braucht, wenn sie ihr Ernährungsproblem lösen will, sind Glaubenskriege um die Ackerscholle. Gefragt sind alle erdenklichen Lösungsansätze, die helfen, Nahrungsmittel so zu erzeugen, damit auch künftige Generationen ein gutes Leben führen und nicht nur geradeso überleben können. Dieser Pflicht darf sich niemand in der Diskussion entziehen. Hier sind Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gleichermaßen gefragt. Wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen soll, muss im Konsens beschlossen werden, keinesfalls über die Köpfe der Menschen hinweg.

Gefährlich und naiv wäre es, darauf zu vertrauen, dass die großen Agrarkonzerne allein die Welternährung sichern könnten, auch wenn sie nicht müde werden, dergleichen zu versprechen. Ihre Ziele sind andere. Firmenstrategen denken in Jahres- oder Quartalszahlen. Der Erfolg eines Managers hängt vom Ertrag im Hier und Jetzt ab, nicht von Vielleicht-Gewinnen in drei Jahrzehnten. Der Raubbau an Ressourcen wird dabei billigend in Kauf genommen. Zukunftstaugliche globale Lösungen sind von dieser Seite kaum zu erwarten.

Einseitige Forschung und Pflanzenzucht ist eine Gefahr

Vor diesem Hintergrund ist es alarmierend, dass Bayer, Monsanto & Co. bereits wesentliche Teile der Nahrungsmittelkette kontrollieren. Weniger als zehn Konzerne beherrschen schon jetzt drei Viertel des Saatgutmarktes und mehr als90 Prozent bei Pestiziden. Bald werden es noch weniger Anbieter sein. Neben Monsanto und Bayer basteln auch die Branchengrößen Dow und Dupont an einem Zusammenschluss. Hier entstehen gefährliche Monopole, die ein echtes Risiko für die Welternährung darstellen. Saatgut, Pestizide und Nahrung könnten dadurch schon bald teurer werden. Gleichzeitig droht eine einseitige Ausrichtung von Forschung und Pflanzenzucht.

Außer Frage steht dabei, dass diese Agrarunternehmen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Doch eine Industrie, die sich daranmacht, die weltweite Versorgung mit Nahrung zu dominieren, das ängstigt viele Menschen völlig zu Recht. Denn es ist die Gesellschaft, die diese wichtige Lebensgrundlage und damit auch die Industrie kontrollieren muss – und nicht umgekehrt. Eine zukunftstaugliche Landwirtschaft braucht Vielfalt und Chancengleichheit. Sie muss jene belohnen, die Böden, Wasser und Umwelt schonen, und jene in die Schranken weisen, die sie ausbeuten und ruinieren. Dafür zu sorgen ist Aufgabe der Politik, die sich schon viel zu lange darum drückt, das heikle Thema richtig anzupacken.

 

Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung am 7. Juni 2016

 

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