Dossier: Energie & Rohstoffe
Der Kampf um Rohstoffe spitzt sich zu. Die Vorräte sind begrenzt. Das Ölzeitalter neigt sich dem Ende zu. Doch die Gier nach Rohstoffen ist grenzenlos. Um sie zu gewinnen, dringen Konzerne in immer unzugänglichere Regionen vor. Selbst die Arktis und die letzten Regenwälder bleiben nicht verschont. Die Risiken des gnadenlosen Raubbaus für Mensch und Umwelt sind unkalkulierbar, wie etwa der Abbau von Schiefergasvorkommen durch Fracking in den USA zeigt.
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Der große Wandel: Stresstest für die Menschheit

Die Querdenker des Club of Rome haben schon vor 40 Jahren vor den Grenzen des Wachstums gewarnt. Nur wollte das damals niemand hören. Heute sind ihre Thesen aktueller und brisanter denn je. Der große Umbruch hat bereits begonnen.

Rohstoffe: Die unterschätzte Gier

Industrieländer wie Deutschland verbrauchen erheblich mehr Rohstoffe als bisher angenommen – bis 2050 könnte sich der weltweite Bedarf vervierfachen. Das zeigt eine neue Studie der australischen Forschungsorganisation CSIRO. „Zum Teil liegt der Bedarf um das Dreifache und mehr über den offiziellen Zahlen“, sagt Professor Thomas Wiedmann.

Erdölreserven: Zahlenspiel mit Unbekannten

Experten gehen davon aus, dass die globalen Vorräte 40 Jahre und mehr reichen könnten. Zuverlässige Angaben gibt es aber nicht, „Zuverlässige Angaben über die noch vorhandenen Ölreserven gibt es nicht“, sagt etwa Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst in Hamburg. „Die vorhandenen Kennzahlen sind mit Vorsicht zu behandeln. Sie werden von der Politik missbraucht. Bei Bedarf rechnen Förderländer ihre Reserven schon mal groß oder klein.“

Das Märchen vom teuren Ökostrom

Studien zeigen: Wind, Wasser und Sonne liefern schon heute die Energie billiger als Atom- und Kohlekraftwerke. Das fällt aber nicht auf. Die hohen Subventionen für konventionelle Erzeuger, die nicht auf der Stromrechnung erscheinen, müssen die Steuerzahler tragen.

Schiefergas-Boom in den USA: Fehlbohrung

In den Vereinigten Staaten zeichnet sich bereits das Ende des Schiefergas-Booms ab. Auch in Deutschland werde das Potenzial der Vorkommen völlig überschätzt, warnen Experten. Die Förderung ist mit gravierenden Eingriffen in die Umwelt verbunden – zurück bleiben verödete Landschaften und verseuchte Böden. Energie, reichlich und billig, das ist es, wonach die Welt giert. Da kommen Berichte über das vermeintliche Schiefergaswunder in den Vereinigten Staaten so manchem Politiker gerade recht, auch in Deutschland. Denn hierzulande werden ebenfalls größere Vorkommen vermutet. Frohe Botschaften wie diese sind höchst willkommen, suggerieren sie doch, dass sich das Ende des fossilen Zeitalters vielleicht doch noch ein bisschen länger hinauszögern lässt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt die Vorkommen auf 700 bis 2300 Milliarden Kubikmeter. Laut einer Studie des Bundesumweltamtes könnte Deutschland damit seinen Bedarf gut 13 Jahre lang decken. Es gibt jedoch Wissenschaftler, die diesen Optimismus entschieden dämpfen: „Ich halte es für eine große Illusion, dass die Förderung von Schiefergas einen nachhaltigen und langfristigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leisten kann“, warnt Physiker Werner Zittel, Vorstand der renommierten Ludwig-Bölkow-Stiftung, ein unabhängiges Beratungsinstitut für Energiefragen. „Da darf man sich nichts vormachen, Gas aus Schiefergestein herauszupressen ist viel schwieriger und teurer als die herkömmliche Gasförderung. Dass es trotzdem gemacht wird, ist ein Eingeständnis, dass die guten Zeiten in der Gasförderung vorbei sind. Die Explorationsfirmen haben nichts Besseres mehr.“ Lediglich ein kleiner Bruchteil der Reserven in Deutschland kann laut Zittel rentabel genutzt werden. Denn der in Gestein gebundene Rohstoff lässt sich nur mit der aufwendigen und umweltschädlichen Fracking-Methode fördern. Dabei wird das Gestein im Untergrund zertrümmert, anschließend wird das Gas mit einem giftigen Chemikalien-Mix herausgelöst. Ein umstrittenes Verfahren, gegen das sich dies- und jenseits des Atlantiks der Widerstand formiert, weil es die Umwelt zerstört und das Grundwasser vergiftet. Die Angaben über Schiefergasreserven in Deutschland hält Zittel für irreführend. „Das ist eine Milchmädchenrechnung. Was im Gestein vorhanden ist, das ist eine Sache. Wie viel und mit welchem Aufwand man es rausholen kann eine andere“, erklärt der Wissenschaftler, der die Gasindustrie seit Jahren beobachtet. Alle bisherigen Ressourcenschätzungen für Deutschland seien sehr unsicher. Vor allem in Nordrhein-Westfalen werden große Lagerstätten vermutet, mit bis zu 2000 Milliarden Kubikmeter Gas. Diese auszubeuten würde jedoch einen gravierenden Eingriff in die Landschaft bedeuten. „Dafür müsste man Abbauflächen von 20 000 Quadratkilometern rasterartig erschließen. Das wäre ein Gebiet knapp halb so groß wie Niedersachsen. Das bedeutet alle zwei bis fünf Kilometer einen Bohrturm und Anlagen für Abwasserentsorgung, Gasaufbereitung und -transport.“ So etwas sei in Deutschland politisch nicht durchsetzbar, „dafür ist das Gebiet viel zu dicht...

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