Gekaufte Forschung – Wie Coca-Cola die Zucker-Debatte beeinflussen wollte

Die versteckte Finanzierung von Zucker-Forschung hat dem US-Konzern Coca-Cola viel Ärger eingebracht. Nun will es der Hersteller von süßen Getränken besser machen. In den USA hat der Konzern seine Unterstützung für wissenschaftliche Einrichtungen bereits transparent gemacht. Das soll nun auch in Europa geschehen.

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Foto: sia

Coca-Cola will es besser machen

Der Getränkehersteller Coca-Cola, der in den USA wegen seiner versteckten Finanzierung von Forschungseinrichtungen in die Kritik geraten ist, will nun auch in Europa für mehr Offenheit sorgen. Dies kündigt der US-Konzern in einem Schreiben an die Verbraucherorganisation Foodwatch an. Man werde dem Beispiel von Coca-Cola Nordamerika folgen und Transparenz über die finanzierten „Gesundheitspartnerschaften“ schaffen. Wann und wie genau die Daten veröffentlicht werden sollen, ließ Nikolaus Tacke, Chef-Lobbyist von Coca-Cola Europe, in dem Schreiben offen. Coca-Cola bestätigte auf Anfrage, dass derzeit auch in anderen Ländern an solchen Übersichten gearbeitet werde.

Die anhaltende Debatte über den Zusammenhang zwischen einem hohen Zuckerkonsum, Übergewicht und steigenden Zahlen von Diabetes-Erkrankungen bringt die Hersteller von Süßgetränken zunehmend in Erklärungsnot. Vor allem seit die New York Times die finanziellen Verstrickungen von Coca-Cola mit der US-Forschungseinrichtung Global Energy Balance Network aufgedeckt hat, die den Ursachen von Übergewicht auf den Grund gehen sollte. Coca-Cola sicherte mit 1,5 Millionen Dollar den finanziellen Start der Einrichtung. Eine Million Dollar ging als Spende an die University of Colorado Foundation, der Rest an die University of South Carolina. Geleitet wurde die Gruppe von James Hill, Professor an der University of Colorado und bekannter Experte auf dem Gebiet der Ursachenforschung von Übergewicht.

Hill soll Coca-Cola zugesichert haben, eine Studie zu erstellen, die zeige, dass die Ursache für Übergewicht Bewegungsmangel und nicht der Konsum von zu viel Zucker sei. Das berichtete vergangene Woche die Nachrichtenagentur AP und berief sich dabei auf interne Mails. „Das wäre eine sehr große und teure Studie, sie könnte aber die ganze Debatte grundsätzlich verändern“, zitiert AP aus einer Mail Hills an die damalige Leiterin der Wissenschaftsabteilung von Coca-Cola, Rhona Applebaum.

Methoden, die einst auch die Tabak-Industrie eingesetzt habe

Kritiker werfen dem Unternehmen vor, die Forschung zu instrumentalisieren, um Kritik an den Produkten zu entkräften. Dabei würden die gleichen Methoden eingesetzt wie einst von der Tabakindustrie, als es darum ging, die Risiken des Rauchens herunterzuspielen. Auch in Wissenschaftskreisen regte sich Widerstand gegen das Global Energy Balance Network. 36 Forscher unterzeichneten einen Brief, in dem sie dessen Arbeit als „wissenschaftlichen Nonsens“ bezeichneten.

Coca-Cola reagierte inzwischen auf die Vorwürfe. Ende September veröffentlichte der Konzern eine Liste, auf der alle Einrichtungen stehen, die von 2010 bis 2015 finanziert wurden. Laut Firmenangaben flossen insgesamt knapp 120 Millionen Dollar in sogenannte Gesundheitspartnerschaften, davon 22 Millionen Dollar in wissenschaftliche Forschung. Die Coca-Cola-Managerin Applebaum, die für die Forschung zuständig war, ist inzwischen in den Ruhestand gegangen.

In einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal schrieb Kent, mit der Finanzierung von Forschung wolle Coca-Cola „wissenschaftsbasiert“ zur Debatte beitragen, wie man Übergewicht bekämpfen könne. Er sei enttäuscht, dass einige der Aktivitäten von Coca-Cola zu Misstrauen geführt hätten. Die University of Colorado gab die Spende an Coca-Cola zurück. Das umstrittene Global Energy Balance Network hat laut einer Notiz auf seiner Homepage die Arbeit eingestellt, wegen Mangel an Ressourcen, wie es heißt.

Erstmals veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung vom 3. Dezember 2015

 

Viele fertige Lebensmittel enthalten Zucker. Foto: sia

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