Radio Hoffnung

Gerade ist mal wieder der Strom ausgefallen. Die Journalisten von Radio Tayna in Goma hocken im Dunkeln. Ihre Redaktion im Keller hat kein Fenster. Und klar, senden können sie auch nicht ohne Strom. Zeit also zum Nachdenken, ob es Kollegen in anderen afrikanischen Ländern ähnlich ergeht.

Praktikanten bei Radio Saut in Mwanza. Foto: jr

Praktikanten bei Radio Saut in Mwanza. Foto: jr

Wie ist das wohl in einer Redaktion in anderen afrikanischen Ländern? Haben die Kollegen auch ständig technische Pannen? Bekommen sie auch keinen Lohn? Sind sie auch anfällig für Korruption? Oder ist das nur im Ostkongo so?

Ein Besuch bei Radio Saut in Mwanza, Tansania, gibt Aufschluss. Zumindest leben die Journalisten dort in Frieden. In Tansania gibt es keine Milizen, die plündern und vergewaltigen. Mwanza ist sogar ein nettes Touristenstädtchen am Viktoriasee. Und Radio Saut befindet sich idyllisch auf dem Campus der St. Augustine Universität mit Bäumen und intakten Gebäuden.

„Aber Probleme haben wir auch genug“, sagt Radiochef Dotto Bulendu. Bei Saut sollen die Studierenden der Journalismus-Fakultät die Praxis lernen. Aber für mehr als 100 angehende Journalisten stehen nur acht Computer zur Verfügung. Die meisten Praktikanten müssen selbst irgendwo her einen Laptop besorgen. Auch der Strom fällt öfter aus, manchmal bis zu zehn Stunden. Und seit einem Jahr ist das Solarsystem kaputt. Das Ersatzteil ist so teuer, dass Radio Saut es noch nicht kaufen konnte.

Und doch ist Bulendu optimistisch. Seine Journalisten gewinnen immer mal wieder Preise für ihre Sendungen. Wie Radio Tayna in Goma strahlen auch die Kollegen in Tansania die Nachrichten der Deutschen Welle aus, so dass die Zuhörer zumindest gut informiert sind. Bulendu selbst hat ein Praktika bei der Deutschen Welle in Bonn absolviert: „Seither weiß ich, was Sorgfalt und Pünktlichkeit bedeuten. Und das bringe ich auch meinen Kollegen bei“, sagt er. Geld sei wichtig, es sei ein riesiges Problem, dass Radio Saut viel zu wenig einnehme, um einen reibungslosen Redaktionsbetrieb zu gewährleisten, klagt er. Aber ebenso wichtig sei die innere Einstellung zur Arbeit, findet Bulendu: „Und das hat jeder selbst in der Hand“. Er ist überzeugt, dass Radio Saut eines Tages auf soliden Beinen stehen wird, wenn alle nur wollen. „Radio Hoffnung“, sozusagen.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Powered by WordPress | Designed by Elegant Themes