Der große Wandel: Stresstest für die Menschheit

Die Querdenker des Club of Rome haben schon vor 40 Jahren vor den Grenzen des Wachstums gewarnt. Nur wollte das damals niemand hören. Heute sind ihre Thesen aktueller und brisanter denn je. Der große Umbruch hat bereits begonnen

So sieht die Energiewende aus: Ein Windpark vor der Küsten Dänemarks. Auch in Deutschland soll der Ausbau vorangetrieben werden. Politische Querelen verlangsamen den Prozess.  Foto: sia

So sieht die Energiewende aus: Ein Windpark vor der Küsten Dänemarks. Auch in Deutschland soll der Ausbau vorangetrieben werden. Politische Querelen verlangsamen den Prozess. Foto: sia

Mit Vorhersagen ist es so eine Sache. Manchmal stimmen sie, manchmal nicht – oder sie werden so lange uminterpretiert, bis sie dann doch stimmen. Irgendwie. Viele Propheten haben in den vergangenen Jahrtausenden den Untergang der Welt vorhergesagt. Doch der blaue Planet dreht sich noch immer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Kernbotschaft falsch wäre. Irgendwann wird die Erde verglühen, da sind sich Astronomen und Physiker sicher. Doch bis es soweit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Der Klimawandel ist dagegen ein Ereignis, das sich im Jetzt und Hier abspielt. Die Prognosen der vergangenen Jahre haben sich bestätigt. Trotzdem gibt es Skeptiker, die die Erderwärmung noch immer bestreiten oder als Naturereignis interpretieren, an dem die Menschheit gänzlich unbeteiligt ist. Das ist allemal bequemer, als sich dem Problem zu stellen und nach Auswegen zu suchen.

Dabei sind die Zeichen eindeutig. Die Menschheit steht vor einem gewaltigen Umbruch, einer großen Transformation. Und es ist nicht allein der Klimawandel, der zum Stresstest für die Menschheit wird. Es ist das Zusammenspiel von mehreren Faktoren, die das Gesicht der Erde in den nächsten hundert Jahren grundlegend verändern, ausgelöst durch das Ende des fossilen Zeitalters. Die Vorräte von Öl, Gas und Kohle werden immer knapper – und so teuer, dass wir sie durch neue Energiequellen ersetzen müssen. Eine globale Energiewende steht bevor. Und sie ist absolut notwendig, um den Klimawandel zu stoppen.

Was die Politiker rund um den Globus nicht zu sagen wagen: Ein „weiter so“ wird es nicht geben. Auch andere Rohstoffreserven, etwa Metalle, gehen zur Neige. Trinkwasservorräte und Anbauflächen nehmen ab, während die Weltbevölkerung unaufhaltsam wächst. Finanzsysteme drohen zu kollabieren.

Der Globus stößt an seine Grenzen. Davor haben die Wachstumskritiker des Club of Rome bereits vor vierzig Jahren gewarnt. Ungläubiges Staunen und wütender Protest waren die Reaktion. Doch die Zeit gibt dem US-Wissenschaftler Dennis Meadows und seinen Kollegen Recht. Viele ihrer Prognosen sind bereits eingetroffen. Die Probleme werden immer dringlicher und sie erfordern einen grundlegenden Wandel und neue Denkmodelle. Begriffe wie Wirtschaftswachstum, Fortschritt, Humanismus und Gerechtigkeit müssen neu definiert werden. Und auch die Gesellschaft muss sich verändern und diesem Prozess anpassen.

Es braucht viel Mut, diesen Wandel anzustoßen. Es gibt dafür keine fertigen Konzepte. Versuch und Irrtum werden eng beieinander liegen. Das zeigt schon jetzt das Beispiel der deutschen Energiewende. Ein Experiment, das die ganze Welt mit großem Interesse verfolgt. Gelingt es, werden auch andere Länder das Konzept übernehmen. Das muss Ansporn und Ziel zugleich sein. Auch wenn es Viele vielleicht noch nicht bemerkt haben. Der große Umbruch hat bereits begonnen und er wird sich nicht aufhalten lassen. Doch er lässt sich gestalten, darin liegt auch eine große Chance.

Erschienen in Natur & Umwelt, Heft 4, 2013

Links: 
Club of Rome
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung (WBGU): Welt im Wandel, Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation

 

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