Sofies verkehrte Welt

Klonfleisch landet längst auf dem Teller

Die Europäische Union ringt um ein Gesetz, dass die Einfuhr von geklonten Tieren und deren Fleisch reglementieren soll. Doch das ist nicht so einfach. Das Problem: geklonte Tiere sind von normal gezüchteten nicht zu unterscheiden, wenn der Herkunftsnachweis fehlt.

Ein Kommentar

Fleisch in Dosen: Woher der Inhalt stammt und wie die Tiere gehalten wurden, steht nicht auf der Verpackung. Foto: sia
Fleisch in Dosen: Woher der Inhalt stammt und wie die Tiere gehalten wurden, steht nicht auf der Verpackung. Foto: sia

Wenn sich EU-Verbraucherkommissar Tonia Borg dafür einsetzt, das Klonen von Tieren in Europa zu verbieten, ist das auf den ersten Blick einen gute Sache. Untersagt werden soll auch die Einfuhr von Klontieren oder Klontierfleisch. Auch das klingt gut. Doch wie bei vielen Vorstößen der EU-Regierung ist auch hier das Kleingedruckte entscheidend. Und da wird schnell deutlich: Wirklich ernst meint es der Verbraucherkommissar mit seinem Vorstoß nicht. Denn bereits die nächste Generation der Klontiere ist von dem Verbot nicht betroffen.

Solch halbherzigen Pläne sind zum Scheitern verurteilt. Verbraucher werden weiter im Unklaren darüber gelassen, was sie da eigentlich einkaufen. Lebensmittelkontrolleure können nicht feststellen, was sie da testen, weil sich Klonfleisch nicht von normalem unterscheidet.

Fest steht: in der EU ist das Klonen derzeit erlaubt. eine Kennzeichnungspflicht gibt es nicht, aber für den Verzehr bestimmtes Fleisch muss zumindest zugelassen werden. In den USA sind Klontiere in der Viehhaltung weit verbreitet. Auch dort sind die Konsumenten ahnunglos. Grundsätzlich unterscheidet sich das Fleisch von Klontieren nicht von dem normaler Rinder, Schweine oder Schafe.

Trotzdem lehnen viele Verbraucher solches Fleisch ab. Zurecht. Denn mit dem Klonen von Tieren wird der Genpool der Rassen dramatisch eingeschränkt. Vererbare Krankheiten und zuchtbedinge Defekte werden 1:1 weitergeben und darunter leiden die Tiere. Das ist nichts anderes als Tierquälerei. Will man Konsumenten eine echte Wahlfreiheit einräumen, sind die jedoch auf eine transparente Kennzeichung angewiesen.

Ohnehin ist fraglich, wie weit sich Verbraucherkommissar Borg mit seinem Vorschlag überhaupt durchsetzen kann. EU-Handelskommissar Karel De Gucht dürfte nicht erfreut sein. Kolidiert ein Verbot doch mit seinen Plänen, ein gemeinsames Wirtschaftsabkommen der EU mit den USA zu schmieden, das sogenannte Freihandelsabkommen TTIP. Ein Verbot von Klonfleisch wäre eine weitere Handelsschranke. Aber genau die will De Gucht ja abbauen. Die amerikanische Seite macht entsprechend Druck.

Verbraucherkommissar Borg wird also in den nächsten Wochen heftigen Gegenwind zu spüren bekommen, nicht nur von Bürgerrechtsorganisationen und Umweltschützern, sondern auch aus den eigenen Reihen. So gesehen stehen die Chancen für ein Verbot von Klontieren und -fleisch in der Europäischen Union denkbar schlecht.

Links:
Studie Testbiotech: Klonen von Nutztieren – eine ‚todsichere‘ Anwendung?
Spiegel Online: Klontier-Nachfahren werden nicht erfasst
Zeit Online: EU-Kommission will Klonfleisch verbieten